Eine Woche spanischer Schulalltag, neue Unterrichtsideen und viele persönliche Begegnungen: Vom 11. bis 15. Mai durfte ich im Rahmen von Erasmus+ das IES Gran Capitán in Córdoba besuchen. Ziel dieses Job Shadowings war es, Unterricht und Schule aus einer anderen europäischen Perspektive kennenzulernen und den eigenen Blick auf schulisches Lernen zu erweitern.
Am IES Gran Capitán begleitete ich täglich verschiedene Lehrpersonen und erhielt Einblicke in unterschiedliche Altersgruppen. Der Unterricht reichte von der ESO (7. bis 10. Schulstufe) bis zum Bachillerato (11. und 12. Schulstufe). Besonders interessant war dabei der Vergleich mit Fächern, die auch aus unserem Schulalltag vertraut sind, etwa Mathematik, Physik und Chemie.
Ein besonderer Schwerpunkt war für mich das Fach Research. Dort arbeiteten die Schüler*innen eigenständig an Forschungsfragen, die aus ihrer Lebenswelt kamen und zugleich wissenschaftliches Denken erforderten. Untersucht wurde zum Beispiel, wie sich Bakterien auf Putzschwämmen ausbreiten und wie man diese reduzieren kann, damit Schwämme im Sinne der Nachhaltigkeit länger verwendet werden können. Andere Projekte beschäftigten sich mit der Wirkung von Handystrahlung auf Ameisen oder mit der Frage, wie verschiedene Musikrichtungen den Lernerfolg beeinflussen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Arbeit eines Schülers, der eine Geschichte aus seiner eigenen Familie erforschte: Sein Ururgroßvater konnte vor mehr als 100 Jahren 40 Minenarbeitern das Leben retten. Mithilfe historischer Zeitungsberichte gelang es dem Schüler, diese Geschichte zu belegen und zu präsentieren. Dieses Beispiel zeigte sehr eindrucksvoll, wie Unterricht persönliche Neugier, wissenschaftliches Arbeiten und historisches Bewusstsein miteinander verbinden kann.
Auch abseits der Unterrichtsstunden bot die Woche viele Gelegenheiten zum Austausch. Ein kulinarischer Höhepunkt war ein gemeinsames Mittagessen, das von den Auszubildenden des Gastronomiezweigs serviert wurde. Bei Tapas und Gesprächen konnten wir die Woche Revue passieren lassen, uns von den Kolleginnen und Kollegen verabschieden und weitere Kontakte knüpfen.
Neben dem Schulbesuch blieb auch Zeit, Córdoba und die Umgebung kennenzulernen. Das jüdische Viertel, die Mezquita und der Alcázar machten sichtbar, wie stark Geschichte und Kultur in dieser Stadt miteinander verwoben sind. Etwas außerhalb besuchte ich außerdem das Castillo de Almodóvar del Río, eine beeindruckende Burg, die unter anderem als Drehort von Game of Thrones bekannt ist. Zum Abschluss blieb noch Zeit für Málaga und die Strände der Region.
Ein weiterer wichtiger Teil des Austauschs war die Sprache. Da der Unterricht auf Spanisch stattfand und in Andalusien im Alltag vergleichsweise wenig Englisch gesprochen wird, war ich ständig gefordert, Spanisch aktiv zu verwenden. Dadurch konnte ich nicht nur meinen Wortschatz erweitern und fachliche Begriffe lernen, sondern auch besser verstehen, wie Sprache im Alltag, im Unterricht und im kollegialen Gespräch funktioniert. Gerade das Zuhören, Nachfragen und Reagieren im echten Gespräch machte den sprachlichen Fortschritt besonders spürbar.
Auch die Freizeit trug wesentlich dazu bei, neue Kontakte zu knüpfen. Bei Pádelstunden und -matches entstanden Begegnungen außerhalb des schulischen Rahmens, und bei der einen oder anderen cerveza wurden aus Gesprächen schnell neue Freundschaften. Genau diese Mischung aus Unterricht, Alltag und persönlichem Austausch macht Erasmus+ so wertvoll.
Für mich war die Woche in Córdoba fachlich, sprachlich und menschlich sehr bereichernd. Erasmus+ ermöglicht Einblicke in andere Schulsysteme, schafft Raum für neue Ideen und macht Europa im beruflichen Alltag konkret erlebbar. Viele Eindrücke aus dieser Woche nehme ich in meinen Unterricht und in unser Schulleben mit.
Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken, die diese Erfahrung möglich gemacht haben. Diese Gelegenheit nutze ich zugleich, um den Bericht auf Spanisch abzuschließen:
Muchísimas gracias a todos, especialmente a la directora Julia Fruhman y al señor Georg Koopmans de nuestro instituto. También quiero agradecer a todo el equipo del IES Gran Capitán: Aurora Ramírez (coordinadora Erasmus), Carmen Domingo (directora), Juanjo León (Matemáticas), Marcos Naz (Research) y todos los demás compañeros y compañeras.